Piercing Richtlinien

 

Wie in allen anderen Gewerben, gibt es natürlich auch in Piercingstudios Gesetze, die für jeden Piercer gelten.

 

Hauptsächlich drehen sich die Gesetze um den Nickelgehalt, den ein Piercing enthalten darf. Da Nickel über offene Wunden in den Körper und somit die Blutbahn des Trägers gelangt, kann eine Nickelallergie ausgelöst werden. Ende der 80er stiegen die Fälle von Nickelallergien rapide an, aus diesem Grund beschränkte der Gesetzgeber den Gehalt von Nickel.

 

Rechtlich betrachtet ist das Stechen eines Piercings eine strafbare Körperverletzung. Deswegen gibt es auch bei vielen seriösen Piercern eine Einverständniserklärung, in welcher die zu piercende Person erst unterschreiben muss, dass sie die „Körperverletzung“ zulässt und sich der Folgen und Risiken bewusst ist. Dieser „Vertrag“ befreit den Piercer von eventuellen rechtlichen Konsequenzen.

 

Außerdem muss der Piercer vor jedem Piercing ein Beratungsgespräch durchführen, bei dem auf Komplikationen und Gefahren hingewiesen wird. Findet so ein Gespräch nicht statt, kann Gerichtliches Schmerzensgeld eingefordert werden.

 

In Deutschland darf grundsätzlich jeder gepierct werden, der das 18. Lebensjahr vollendet hat.

 

Im Alter von 7 bis 17 Jahre muss eine schriftliche Einwilligung eines Elternteils vorliegen. Bei Personen unter 14 Jahren lehnen viele seriöse Studios das Piercen gänzlich ab.

 

Es gibt kein klar definiertes Gesetz, was vorgibt wer mit welchen Qualifikationen piercen darf. In den vergangen Jahren gab es immer wieder verschiedene Ansätze dafür, doch es konnte sich keins richtig durchsetzen, wurde wieder verändert oder sogar komplett zurück genommen. So hatte zum Beispiel das Verfassungsgericht Gießen im Jahr 1999 beschlossen, dass ein Piercing nur von Personen mit entsprechendem Fachwissen (Qualifikation zum Heilpraktiker etc.) gestochen werden darf. Dieses Gesetz wurde dann im Jahr 2000 abgeändert und gilt nun nur für Piercen mit lokaler Anästhesie.

 

Im April 2008 startete eine Gesetzesinitiative, welche das strikte Verbot von Körpermodifikation bei Minderjährigen forderte. Allerdings ist dieses noch nicht beschlossen.

 

Änderung der Richtlinie 94/27/EG der EU am 27.9.2004

 

In der Änderung wurde beschlossen, dass bei Erstschmuck für Piercings nicht wie bisher der Grenzwert für den Nickelgehalt sondern der Grenzwert für die Freisetzung von Nickel pro cm2 und Woche beachtet werden soll. Dieser Wert liegt bei 0,2 µg/cm2/Woche, welchen der Schmuck abgeben darf, unabhängig von der insgesamt enthaltenen Nickelmenge. Bei Stahl, sollte implantatsfähiger Stahl (ISO-Norm 5832-1) verwendet werden.

 

Das Lebensmittel- und Bedarfsgegenstände Gesetz (LMBG)

 

Das LMBG ist die Grundlage des Ordnungsamtes, damit dieses seine Kontrollfunktion wahrnehmen kann. Aufgabe der Lebensmittelüberwachung ist es unter anderem den ordnungsgemäßen Umgang mit Schmuck zu überwachen (§5, LMBG). Laut diesem heißt es in Absatz 6: „Bedarfsgegenstände im Sinne dieses Gesetzes [...] sind Gegenstände, die dazu bestimmt sind, nicht nur vorübergehend mit dem menschlichen Körper in Berührung zu kommen [...]“. In Anlage 1 steht, dass für die „Herstellung oder Behandlung von Ohrsteckern oder gleichartigen Erzeugnissen, hier Piercing Schmuck, die dazu bestimmt sind, bis zur Abheilung des Wundkanals im menschlichen Körper zu verbleiben“, Nickel verboten ist. In der Praxis bedeutet das, dass der Nickelanteil nicht über 0,05% sein darf.

 

Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB)

 

 

Das BGB definiert unter anderem die Geschäftsfähigkeit. Aus den Paragraphen §106, §107 und §113 geht hervor, dass Minderjährige nur teilgeschäftsfähig sind. Deshalb muss beim Piercen von unter 18-jährigen eine Genehmigung des Erziehungsberechtigten vorliegen. Außerdem können die Erziehungsberechtigten Widerspruch einlegen und den Vertrag, den der Jugendliche geschlossen hat für ungültig erklären.