10 Schritte zum Tattoo

 

Wie du in 10 Schritten versehentlich zu deinem ersten Tattoo kommst, obwohl du dir eigentlich gar nicht vorstellen kannst, deine jungfräuliche Haut mit einer Nadel anzurühren, erfährst du jetzt.

 

1. Denk dir ein Motiv aus.

Was findest du so richtig cool? Was geht so tief, dass es sowieso schon irgendwie unter deiner Haut ist? Welcher Stil gefällt dir schon immer? Bei welchen Dingen sagen auch deine Freunde “Das bist so du!”? Welches Tattoo würdest du mit Stolz tragen und es anderen gerne erklären? Der richtige Ansatz fällt dir irgendwann ein. Vielleicht wird er aus einem Geistesblitz, aus einer Blödelei oder aus einem Buch geboren. Woher er kommt, ist eigentlich unwichtig. Wichtig ist nur, dass du an deinem Motiv arbeitest wie an jeder anderen Idee. Skizziere sie, überdenke sie, erfühle sie, skizziere sie wieder. Und sei dir unsicher. Sei dir sowas von unsicher!

 

2. Beschließe, dass du deinem Körper sowas nicht antun wirst.

Ist ja auch unnötig. Also wirklich. Und jeder bereut sowas irgendwann. Garantiert.

 

3. Warte vier Jahre.

Verschwende wenige Gedanken an das Thema Tattoo. Und wenn, dann nur, um erneut festzustellen: Das brauche ich nicht! Außerdem will ich eh nicht das machen, was alle machen. Egal, wie schön ich die Tattoos der anderen finde!!1 Diesem menschlichen Grundbedürfnis nach Individualität ist sowieso immer zu folgen. Bis dir dein Motiv doch wieder einfällt, weil du über die perfekte Technik, die perfekte Schrift oder die perfekte Stelle dafür stolperst.

 

4. Skizziere dein altes Motiv lieber nochmal.

Aber, oh Schreck, was hast du denn da gemacht? Selbst, wenn du den vier Jahre alten Papierschnipsel nicht mehr findest, wird sich deine erste Skizze erbarmungslos in dein Hirn eingebrannt haben. Wahrscheinlich war sie scheiße. Das kannst du besser! Oder der Tätowierer kann es. Irgendwer muss es jetzt auf jeden Fall in die Hand nehmen. Skizziere dein Motiv zehn, zwanzig, fünfzig mal. Male es dir mit Stabilo in verschiedensten Größen auf alle Hautstellen, die du findest. Erschrecke die kommenden zwei Tage unter der Dusche (Stabilo hält fast so gut wie Edding). Waren es zwei anstrengende Tage auf der Arbeit, wird es sich anfühlen wie ein halbes Leben – du kannst das jetzt also ganz gut einschätzen. Du rubbelst die Zeichnung auch nur deshalb gewaltsam ab, weil deine Kollegen sonst denken, dass du nicht duschst? Glückwunsch! Du bist bereit für dein erstes Tattoo.

 

5. Finde den besten Tätowierer der Stadt und mache einen Tattoo Termin.

Das ist der Moment, in dem du dir spontane Aktionen besser verkneifst. Lass dir Zeit mit der Recherche deines Studios. Ein guter Indikator ist zum Beispiel, wenn deine Freundin aus Köln dir im Brustton der Begeisterung ein Tattoo Studio in Hamburg nennen kann, obwohl sie selbst nicht dort war. “Du MUSST bei One Tattoo Please schauen!”

Noch besser ist es, wenn die Beispielfotos a) geil sind, b) zu deinem Stil passen und c) sauber gestochen, scharf, farbintensiv und perfekt sind. Der oder die Tätowierer klingen schon auf Facebook sympathisch? Sogar die verdammte Einrichtung haut dich vom Hocker? Dann ist das wahrscheinlich dein Studio. Schreibe deinen Wunschtätowierer an, telefoniere mit ihm, erzähle ihm, was du vorhast, und mache deinen Termin.

 

6. Schiebe Panik.

Oha. Du hast es echt getan. Jetzt, wo du einen Termin beim besten Studio der Stadt hast, hast du garantiert genug Zeit, nochmal richtig in Panik zu geraten. Wochen oder sogar Monate Wartezeit liegen vor dir. Zeit für regelmäßige Geistesblitze und nächtliche Herzaussetzer, in etwa so:

“Ich lasse mir Tinte in die Haut stechen, bin ich eigentlich bekloppt?”

“Und dann das erste Tattoo gleich knallhart auf den Unterarm? Geht’s noch?”

“Wie erkläre ich das mal meinen Kindern?”

“Oder Oma?

“Äh, YOLO? I think?”

 

7. Erkenne, dass deine Idee einfach geil ist.

Es ist so. Du hast dieses Motiv seit fünf Jahren im Kopf. Entweder, es steht für etwas, das dir wirklich etwas bedeutet, oder es sieht verdammt geil aus. Im Idealfall sogar beides. Wie groß ist die Chance, dass du es in weiteren fünf Jahren komplett verabscheuen wirst? Irgendwann könntest du das Motiv vielleicht sogar ergänzen… hey. Wenn du schon ans Ergänzen denkst, ist die Idee wahrscheinlich unschlagbar.

 

8. Geh zu dem verdammten Termin.

Dein Tag ist gekommen. “Ziehe ich das echt durch?” wird spätestens am Morgen zur Gewissheit. Du wirst das durchziehen. Einzige Bedingung: Die Vorlage, die der Tätowierer erstellt, gefällt dir zu 100 Prozent. So lange du nicht denkst “Das ist mein Tattoo!”, ist es nicht dein Tattoo.

 

9. Nerve den Tätowierer, bis die Vorlage perfekt ist.

Du bist nervös. Dein Tätowierer weiß das. Ist er ein guter, bremst er dich aus und probiert so lange an deiner Vorlage rum, bis du nicht nur sagst, dass es “glaube ich” passt – sondern er dir auch ansieht, dass es genau so sein muss und nicht anders. Nicole von One Tattoo Please ist so eine gute.

 

10. Bleib sitzen und halte die Schmerzen aus.

Ja, es tut weh. Aber erwartbaren Schmerz kann man aushalten. Der schlimmste Moment ist der, wenn dein Tätowierer “Achtung” sagt, weil er in einer Millisekunde die Nadel ansetzen wird. Das ist der Moment, in dem du dir kurz nochmal überlegst, zu rennen, allein schon wegen der gruseligen Technik, mit der man Tinte dauerhaft in die Haut bekommt. Und dann bleibst du sitzen. Spoiler: Du überlebst. Und feierst das Ergebnis.

 

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